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Mein Afrika: Gefährdete Kulturen

Mein Afrika Cover
Timo Heiny
„Mein Afrika“
Edition Panorama
240 Seiten
Format: 30 x 40 cm
Sprachen: Deutsch, Englisch
ISBN: 978-3-89823-513-6
68,00 Euro (D)

Wir machen eine Fotosafari, wenn wir in Nationalparks Großwild ablichten, und reden bei mehrtägigen Fotoaufnahmen am Meer von einer Tauchsafari.

Während der Begriff „Safari“ längst gang und gäbe im Wortschatz der Europäer ist, hat er seinen eigentlichen Ursprung in der Sprache der ostafrikanischen Menschen.

„Safari“ ist Kisuaheli und bedeutet im wörtlichen Sinne eine Expedition durch Afrika.

Mein Afrika - by photobildband.de
Dorf der Mursi, Äthiopien © Timo Heiny, Edition Panorama

Doch die alte Sprache ist Teil einer gefährdeten Kultur, denn die Nomadenstämme Afrikas drohen immer mehr zu verschwinden. Zeuge dessen wurde auch Fotograf Thomas Heiny. Im Laufe seiner Reisen durch Afrika musste er immer wieder beobachten, wie ehemalige Stammesgebiete zu Farmland und die ursprünglichen Bewohner enteignet wurden.

Dabei waren es genau diese Leute, die Heinys Interesse weckten. Ihnen widmet er seinen Bildband „Mein Afrika“, bei dem schon das einzelne Foto mehr sagt, als die berühmten tausend Worte.

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Zwei Dassanech, Äthiopien © Timo Heiny, Edition Panorama

Heimatlicher Stolz

So zeigen seine Aufnahmen afrikanische Menschen in ihrem vertrauten Lebensraum. Im Norden Kenias fühlen sich die Samburu zu Hause, auch wenn sie zunehmend ihres Landes beraubt werden. Was bleibt, ist der Stolz der Stammesmitglieder. Heinys Bilder machen dies mehr als deutlich:

Würdevoll steht der Samburu auf einem Felsen, in seiner Hand hält er eine Art Speer und sein Blick geht an dem Fotografen vorbei. Sein Körper ist bedeckt mit unzähligen Ketten und Perlen – alles an ihm drückt seine tiefe Verbundenheit zu seinem Stamm und seiner Heimat aus.

Dürre und Trockenheit kennzeichnen die Landschaft, doch es ist unverkennbar, dass Mensch und Natur hier dennoch eine innige Form der Beziehung führen.

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Ein Samburu, Kenia © Timo Heiny, Edition Panorama
 Über den Fotografen
Im Alter von 17 Jahren reiste der Pfälzer Timo Heiny das erste mal nach Afrika – seine analoge Canon-Kamera im Gepäck. Die Faszination für den Kontinent lässt ihn seither nicht mehr los, speziell die gefährdeten Kulturen erregten seine Neugier. In den folgenden Jahren führten ihn weitere Reisen unter anderem nach Papua Neuguinea, Asien, Indonesien und Amerika.

Timo Heiny gelingt es, die Schönheit und Spiritualität dieser freien und unabhängigen Menschen einzufangen. Doch nur zögerlich ließen sich die Mitglieder der unterschiedlichen Stämme auf die Aufnahmen ein.

Um ihr Vertrauen zu gewinnen, lebte der Fotograf über mehrere Jahre in ihrer Mitte und verdiente sich damit den Titel „L Thumogi“ – „Der aus einem fremden Land kam und zum Freund wurde.“

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Hochzeitszeremonie der Samburu, Kenia © Timo Heiny, Edition Panorama

Trotz vieler Gemeinsamkeiten, stieß Heiny aber auch immer wieder auf grundlegende Unterschiede zwischen den Völkern. Sie ähneln einander zwar in ihrem langjährigen Traditionsbewusstsein und ihrem Respekt gegenüber den Stammesältesten, geht es aber um weltanschauliche Ansichten, muss differenziert werden.

Besonders deutlich wurden diese Unterschiede bei ihrem ersten Aufeinandertreffen mit dem Fotografen. Ein alter Mann in Nairobi konnte seine Neugier über das europäische Volk kaum verbergen und erkundigte sich interessiert, ob die Europäer nicht diejenigen seien, die für ihre Autos Häuser bauen.

An anderer Stelle stieß Heiny zunächst auf misstrauisches Verhalten, wurde ignoriert und auch zurückgewiesen. Allerdings fand er eben auch jene Stämme, die ihn bereitwillig einluden, wie seine Aufnahmen beweisen.

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Eine Frau der Mursi mit stammesüblichen Lippenteller, Äthiopien © Timo Heiny, Edition Panorama

Die Wiege der Menschheit

Sie zeigen, dass mit der zunehmenden Industrialisierung geht die Ursprünglichkeit dieser Völker immer weiter verloren geht. Die richtigen Worte findet Heiny, wenn er in seiner Einleitung sagt, dass wir alle um die kulturelle und historische Bedeutung dieser Region – „der Wiege der Menschheit“ – wissen, sie aber in dieser Form vielleicht nicht mehr lange bestehen wird.

So müssen ehemalige Stammesgebiete neuen Städten und Staudammprojekten weichen, während ihre Bewohner mit der Ausbeutung der Bodenschätze zu kämpfen haben. Umso erstaunlicher sind Heinys Aufnahmen, die dem Betrachter einen kleinen Einblick in die vielschichtigen und uns teils doch so fremden Kulturen der afrikanischen Stämme ermöglichen.

 

Mein Fazit

Unsere Vorstellungen von Afrika belaufen sich meistens auf idyllische Savannenbilder oder einem von Armut geprägtem Kontinent. Timo Heinys Bildband öffnet einen neuen BlickwiNina Meringnkel, wenn er die indigenen Stämme als wesentlichen Teil des Landes vorstellt. Nahezu jede Seite seines Buches lässt mich seine tiefe Liebe zu Afrika spüren – ohne, dass er auf stereotypische Romantisierungen wie kitschige Sonnenuntergänge zurückzugreifen. Ich bin beeindruckt von Heinys Geduld und Hingabe, mit denen er sich über Jahre das Vertrauen der Völker erarbeitete. Mich begeistert aber auch die Gastfreundschaft der Stammesmitglieder, die sich aus Heinys einleitenden Worte und seine Aufnahmen erahnen lässt.

Nina Mering begeistert sich für fremde Kulturen – besonders dann, wenn sie fotografisch unvoreingenommen dargestellt werden. Sie studiert Medien- und Kulturwissenschaft und schreibt nebenher für photobildband.de Rezensionen über spannende Bildbände.

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