Telling Time - by photobildband.de

Telling Time: Mali im Fokus der Kamera

Rencontres de Bamako „Telling Time“ Kehrer Verlag 488 Seiten Format: 17 x 24 cm Sprachen: Englisch, Französisch ISBN: 978-3-86828-669-4 39,90 Euro (D)
Rencontres de Bamako
„Telling Time“
Kehrer Verlag
488 Seiten
Format: 17 x 24 cm
Sprachen: Englisch, Französisch
ISBN: 978-3-86828-669-4
39,90 Euro (D)

Einen Bildband, der anlässlich einer großer Fotografie-Biennale veröffentlicht wird, kann man nicht mal eben durchblättern. Nein, zu viele Künstler, Projekte, Interviews und Essays umfassen das Werk – wer sich nicht umfangreich damit befasst, ist schnell überfordert.

Ein solcher Koloss ist der Bildband „Telling Time“, erschienen anlässlich des afrikanischen Fotografie-Festivals, der Rencontres de Bamak – der African Photography Encounters.

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Leben in Algerien: Der Alltag von Menschen, die aus dem Teil Afrikas südlich der Sahara stammen. © Nassim Rouchiche

Die Foto-Biennale in Mali

Die Biennale findet im westafrikanischen Staat Mali statt. Hier, abseits der Küsten in der Hauptstadt Bamako, gab es Ende letzten Jahres bereits die 10. Ausführung der Veranstaltung.

Aus diesem Grund behandelt der Bildband nicht nur das aktuelle Event, sondern reist zum 20-jährigen Jubiläum auch in die Vergangenheit: Das Buch beinhaltet einen umfangreichen Sonderteil samt Interviews, Timeline und dem Nachdruck des Veranstaltungskatalogs von 1994.

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Auch viele Künstler außerhalb des afrikanischen Kontinents – wie Coco Fusco aus New York – sind im Bildband vertreten. © Coco Fusco

Aufnahmen der afrikanischen Gegenwart

Doch vor allem sind die Bilder des letzten Rencontres de Bamako der Hauptbestandteil des Werks. Der Bildband ist ein Zeugnis der afrikanischen Gegenwartsfotografie. Viele der vorgestellten Künstler erleben einen stetigen Wandel in ihrer Gesellschaft. Die Kamera scheint hierbei das wichtigste Mittel, um die fehlende Beständigkeit zu verarbeiten.

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Die Serie „Interior Landscapes“ des Fotografen Filipe Branquinho aus Mosambik. © Filipe Branquinho

Vor allem Mali selbst macht in letzter Zeit viel durch. Bis 1960 war es noch eine französische Kolonie, und erst 1992 gab es erste freie Wahlen. Von da an jedoch ging es bergauf, die Demokratisierung schritt langsam aber stetig voran.

Bei der vorletzten Biennale von Bamuko, im Jahr 2011, schien alles perfekt. Zu dieser Zeit war Mali hinsichtlich Pressefreiheit unter 177 überprüften Staaten auf Platz 25. Weit vor Großbritannien, Frankreich oder den USA.

Bis zur nächsten Großveranstaltung der Fotografie Ende 2015 hat sich erneut viel verändert. Allerdings nicht zum Guten. Die Tuareg, ein in Westafrika beheimatetes Normadenvolk, kämpften schon seit vielen Jahrzehnten gegen die Unterdrückung im Land. Anfang 2012 dann bemächtigten sich die Rebellen des Nordens von Mali, sorgten im März für einen Putsch und riefen im April die Unabhängkeit der Nordregion aus.

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Zu Besuch beim Ahmend Baba Institut in Timbuktu: Seydou Camara dokumentiert die Zerstörung von Büchern aus dem 12. Jahrhundert durch die Hand von Islamisten. © Seydou Camara

Unruhen in Mali

Seit dem Putsch rumort es im Land. Mehrere Aktionen der Rebellen sorgten auch im Süden Malis für Unruhen. Und hinsichtlich der einst so stolzen Pressefreiheit hat Mali heute den Rang 122 inne. Ist es unter solchen Bedingungen überhaupt möglich, ein Event wie die African Photography Encounters zu veranstalten? Ja, wie das Festival beweist!

Mit der Kamera Geschichten erzählen

„Telling Time“, das sich mit Erzählzeit oder – weiter gesponnen – mit Märchenstunde übersetzen lässt, war das Motto der letzten Fotografiemesse. Hier treffen Malis traditionsreiche Vergangenheit und die aktuelle Politik aufeinander – und vereinen sich im Fokus der Kamera. Mit Blick auf die aktuelle Situation in Mali ist der Bildband ein großartiges Zeugnis der modernen Fotografie.

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Seine Herkunft bewahren: Moussa Kalapo aus Mali lässt Menschen die Fotos ihrer Ahnen zeigen. © Moussa Kalapo

Mein Fazit

Marius von der Forst Sepia rundWer den Bildband „Telling Time“ nur mal eben durchblättert, bekommt ein Mischmasch an Eindrücken – aber das Nonplusultra erhält man, wenn man sich Zeit lässt. Der Bildband ist voller Themen und Anmerkungen, so dass er sich für den Auf-die-Schnelle-Leser eher weniger lohnt.

Marius von der Forst liebt großartige Fotoaufnahmen – erst recht, wenn diese in Buchform verewigt wurden. Er ist freier Journalist und schreibt für Zeitschriften wie fotoPRO, digit! oder das Ringfoto-Magazin und natürlich für photobildband.de.

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