© Dal Calendario PIRELLI,
1995 di Richard Avedon

Pirelli – Der Kalender: Fashion trifft Erotik

Philippe Daverio und andere „Pirelli - Der Kalender. 50 Jahre und mehr“ Taschen Verlag 576 Seiten Format: 30 x 30 cm Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch 49,99 Euro (D)
Philippe Daverio und andere
„Pirelli – Der Kalender. 50 Jahre und mehr“
Taschen Verlag
576 Seiten
Format: 30 x 30 cm
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch
49,99 Euro (D)

Der italienische Reifenhersteller Pirelli ist ein Meister darin, werbewirksam aufzutreten. Das zeigt der jährlich erscheinende Pirelli-Kalender. Das erste Erfolgsrezept ist, dass man ein Werbemittel entwirft, das nicht wie Werbung aussieht und nicht nur die eigenen Produkte lobt. Der zweite Garant ist, dass man jenes Werbemittel nur VIPs und besonderen Kunden anbietet. Immerhin: Dank des Bildbands „Pirelli – Der Kalender. 50 Jahre und mehr“ kann nun Jeder in den Genuss der tollen Aufnahmen für die Kalenderblätter kommen.

Prominenz vor und hinter der Kamera

Was den Kalender so besonders macht, ist aber die Tatsache, dass Pirelli in all den Jahrzehnten das Who’s Who der Prominenz gewinnen konnte. Am Fotoapparat arbeiteten Größen wie zum Beispiel Annie Leibovitz, Uwe Ommer oder Karl Lagerfeld. Und vor der Kamera posierten Models und Schauspielerinnen wie Heidi Klum, Kate Moss, Milla Jovovich, Gisele Bündchen und Sophia Loren.

Der Bildband „Pirelli – Der Kalender“ bietet eine Fülle an Stilen. Während in einem Jahr die Models besonders edel und künstlerisch abgelichtet werden, sieht man sie im Jahr drauf komplett kleiderlos. Kunst, Erotik, Fashion – für jeden Fotofreund ist hier etwas dabei.

Für den Pirelli-Kalender 2012 schoss Fotograf Mario Sorrenti klassische Aktfotos in freier Natur. Hier mit Natasha Poly vor der Kamera. © Dal Calendario PIRELLI, 2012 di Mario Sorrenti
Für den Pirelli-Kalender 2012 schoss Fotograf Mario Sorrenti klassische Aktfotos in freier Natur. Hier mit Natasha Poly vor der Kamera. © Dal Calendario PIRELLI, 2012 di Mario Sorrenti

Beispielsweise ließ der Fotograf Richard Avedon (Hier im Interview!) Models wie Nadja Auermann oder Naomi Campbell nackt ablichten – geschmückt mit jahreszeitlichen Accessoires des jeweiligen Monats. Zum Beispiel im Januar mit Eiszapfen behangen oder im Juli mit Sand und Seegras verziert. Oder das niederländische Modefotografen-Duo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin fotografierte bekannte Schauspielerinnen wie Naomi Watts, Penélope Cruz oder Hilary Swank ausschließlich im Bett. Kontrastreich im Licht der Nachttischlampe, natürlich in Schwarz-Weiß.

Schwere Zeiten für die Kalender-Kunst

Die Idee für den Kalender hatte in den 60ern der damalige Werbechef bei Pirelli, Derek Forsyth. Schon 1962 spielte er mit dem Gedanken, einen Werbekalender zu starten, woraus aber nichts wurde. Erst 1964 war dann der erste Pirelli-Kalender fertig. Als Fotograf wurde damals Robert Freeman engagiert. Er hatte sich unter anderem für seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu dem ersten Beatles-Album bereits einen Namen gemacht.

Das Kalenderblatt für Januar 1969. © Dal Calendario PIRELLI, 1969 di Harry Peccinotti
Das Kalenderblatt für Januar 1969. © Dal Calendario PIRELLI,
1969 di Harry Peccinotti

Der Pirelli-Kalender wurde dann immer von anderen Fotografen umgesetzt. Es gab im Laufe der letzten 51 Jahre aber auch immer wieder Ausfälle. Nicht jedes Jahr wurde der Kalender produziert. Zuallererst gab es im Jahr 1967 eine Pause: Nicht jeder Kunde von Pirelli war mit der (aus heutiger Sicht eher harmlosen) Freizügigkeit zufrieden. Doch die Nachfrage war derzeit schon so groß, dass Pirelli die Moralkeule schon 1968 wieder einpacken durfte.

Das ultimative Nachschlagewerk

Trotz einiger Lücken bieten die Kalender wunderbare Zeitzeugnisse über die Bildtrends, Mode und Erotik des jeweiligen Jahrzehnts. „Außergewöhnlich am Pirelli-Kalender war, dass er den Zeitgeist wiedergab und seiner Entwicklung Welle um Welle folgte“, sagt der italienische Kunsthistoriker und Schriftsteller Philippe Daverio im Vorwort. Und an anderer Stelle: „Die Welt verändert sich nach wie vor, die Geschmäcker wandeln sich, und der Kalender dokumentiert diese Verschiebungen.“ Vor allem dann, wenn du sämtliche Kalender zusammenpackst und einen Bildband daraus machst.

Ja, der „Pirelli – Der Kalender“ ist das ultimative Nachschlagewerk zu 50 Jahren Fashion, Erotik und moderner Kunst. Zudem bieten auch die Artikel in dem Bildband sehr interessante Einblicke in das jeweilige Jahrzehnt. Die Texte sind englischsprachig, hinten im Buch findest du aber die deutsche, französische, italienische und spanische Übersetzung. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Bildband sollte in keiner Sammlung fehlen.

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