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Short Stories: Mit Elvis und Whiskey gegen Nixon

Matt Henry - Short Stories
Matt Henry
„Short Stories“
Kehrer Verlag
112 Seiten
Format: 28 x 24 cm
Sprache: Englisch
ISBN: 978-3868286700
39,90 Euro

Früher war alles besser. Davon ist der Fotograf Matt Henry überzeugt. In seinem gedruckten Erstlingswerk „Short Stories“ träumt er der Zeit hinterher, in der noch Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll regierten. Daher schwingt er in seinem Bildband die ganz große Retro-Keule. Für den umfassenden Genuss der Aufnahmen von Matt Henry empfehlen wir daher als Begleitmusik eine frühe Elvis-Platte und vielleicht eine Flasche Jack Daniels.

Hohe Stiefel, ein kerniger Bursche und ein Ami-Schlitten auf staubiger Straße: Matt Henry feiert die 60er-Jahre. © "The Trip #4", Matt Henry
Hohe Stiefel, ein kerniger Bursche und ein Ami-Schlitten auf staubiger Straße: Matt Henry feiert die 60er-Jahre. © „The Trip #4“, Matt Henry

Uncle Sam ruft

Schon zu Beginn des Bildbandes zeigt Henry zahlreiche, nachgestellte Fotos von Elvis Presley. Die Rock-Ikone war offensichtlich Henrys ganz großer Held. Ebenso wie von unzähligen jungen Amerikanern. Vermutlich waren eine ganze Menge von den Kids, die später in den Vietnamkrieg einberufen wurde, ebenfalls Elvis-Fans.

„Short Stories“ greift diese und viele weitere Aspekte der 60er und 70er Jahre auf. Matt Henry nimmt uns in genau diese Zeit mit, in der – wie der Fotograf im Vorwort sagt – US-Präsident Nixon noch nicht „in jeden Traum und in jede Hoffnung einen mit Scheiße beschmierten Pfeil geworfen hat“.

 Nixon beendete nicht nur als bisher einziger US-Präsident seine Karriere durch Rücktritt - auch die "großartigste Zeit ab 1964" beendete er abrupt. So Matt Henry in seinem Vorwort. © "Tricky Dick", Matt Henry

Nixon beendete nicht nur als bisher einziger US-Präsident seine Karriere durch Rücktritt – auch die „großartigste Zeit ab 1964“ beendete er abrupt. So Matt Henry in seinem Vorwort. © „Tricky Dick“, Matt Henry

Zwischen Cola und nackiger Protestbewegung

Für seine Fotos inszeniert Matt Henry seine gestellten Bilder kunstvoll. Dafür bezieht er viele Inspirationsquellen mit ein: Amerikanische Fotografie, Kino und Literatur der Zeit von Elvis, Nixon und Protestbewegung. Henry untersucht die Society und Popkultur auf unterschwellige ideologische Anliegen.

Ihn interessiert die gesellschaftliche Gegenbewegung jener Zeit und daher beschäftigt sich auch „Short Stories“ mit dem Aufstieg progressiver Politik vor dem Hintergrund kleinstädtischen Konservatismus.

Über den Fotografen
Matt Henry PortraitMatt Henry ist in Nordwales aufgewachsen und lebt heute im englischen Brighton. Seine Arbeiten wurden bisher in Europa, Asien und Nordamerika gezeigt und in zahlreichen Magazinen veröffentlicht, darunter u.a. der Independent, Telegraph oder das British Journal of Photography. Thematisch beschäftigt er sich vornehmlich mit der amerikanischen Politik der 60’er und 70’er Jahre. In seinen fotografischen Arbeiten schafft er fiktive Szenen, die einer lockeren Erzählstruktur folgen.

Täuschend echt

Das Besondere an Henrys Aufnahmen: Für „Short Stories“ wie auch für andere Fotoprojekte schreibt der Fotograf richtige Storyboards. Er inszeniert die Bilder vom Kostüm bis hin zur Requisite selbst. Sein Umgang mit Licht und Farbe ist eindrucksvoll, und seine Protagonisten treten in eine perfekte Erscheinung.

Sie wirken echt, man glaubt, das Foto von der Zeitungsmeldung über Elvis‘ Tod sei am gleichen Tag geschossen worden. Denn selbst die Stillleben-Aufnahmen überzeugen vollends, denn jede Aufnahme steht für sich selbst, erzählt eine eigene, kurze Geschichte.

On the Road again. Zwischenstopp: Ein Diner, irgendwo im Nirgendwo. © "The Trip #9". Matt Henry
On the Road again. Zwischenstopp: Ein Diner, irgendwo im Nirgendwo. © „The Trip #9“. Matt Henry

Mein Fazit

Markus Fasse - photobildband.deJa, das muss eine tolle Zeit gewesen sein. Irgendwie schien alles einfacher. Man möchte sich in ein Cabrio setzen, über staubige Highways brettern und in siffigen Dinern schlechten Kaffee trinken. Und im Hintergrund läuft „Just for Old Time Sake“. Die Bilder von Matt Henry in seinem ersten Bildband „Short Stories“ geben übrigens nicht nur den Lifestyle der damaligen USA wieder: Proteste gegen den Vietnamkrieg, Bürgerrechte, Feminismus, soziale Experimente und Drogen: Matt Henry spiegelt in „Short Stories“ auch eine gesellschaftlich wie politisch sehr ereignisreiche und einzigartige Zeit wieder.

Markus Fasse, leidenschaftlicher Bildband-Sammler und Autor bei photobildband.de. Als freier Journalist schreibt er außerdem für Magazine wie u.a. fotoPRO

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