Ein neunjähriger Junge, eingewickelt in einer Decke am kalten Morgen, nachdem er in einem verlassenen Gebäude übernachtet hat. © Mário Macilau, Kehrer Verlag

Growing in Darkness: Das Leben der Straßenkinder in Mosambik

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Mário Macilau
„Growing in Darkness“
Kehrer Verlag
180 Seiten
Sprachen: Englisch, Französisch, Portugiesisch
Format: 30,5 x 28 cm
ISBN: 978-3-86828-639-7
Preis: 49,90 Euro (D)

Der Bildband „Growing in Darkness“ von Mário Macilau porträtiert Straßenkinder in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Der Fotograf offenbart uns sehr persönliche Einblicke in das Leben der Kinder, wie es unterschiedlicher von unserem nicht sein kann.

Drogen sind für viele die einzige Möglichkeit, dem tristen und harten Alltag zumindest kurz zu entfliehen. © Mário Macilau
Drogen sind für viele Kids die einzige Möglichkeit, dem tristen und harten Alltag zumindest für eine kurze Zeit zu entfliehen. © Mário Macilau

Denn das Leben vor Ort ist hart: Im bettelarmen Mosambik ist fast die Hälfte der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Und immer mehr Kinder haben kein Dach über dem Kopf: Zwischen 3.500 bis 5.000 Straßenkinder werden geschätzt.

Ein Nährboden für Kriminelle: Kinderarbeit und Verschleppung nach Südafrika sind lohnende Geschäfte. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Mosambik liegt bei gerade einmal 43 Jahren.

Genau diese düstere Atmosphäre fängt der Fotograf durch seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen sehr gut ein. Das Spiel mit Licht und Schatten zitiert die dunkle Welt, in der die Straßenkinder leben müssen.

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Zu zweit und oft doch ganz auf sich allein gestellt: Dieses Bild zeigt zwei Kinder in einem verlassenen Gebäude in Maputo. © Mário Macilau

Unterdrückung

Macilau zeigt mit seinen Fotos, dass die Kinder in Maputo in ihrem Alltag bedrängt und bedroht werden. Nicht etwa von irgendwelchen Gangs, nein!

Die Polizei selbst geht teilweise sehr hart mit ihnen um. Wenn sie beispielsweise wegen Marihuanakonsum ins Gefängnis müssen, bleiben sie dort meist über un­ver­hält­nis­mä­ßig lange Zeiträume. Niemand setzt sich für ihre Rechte ein.

Der Junge auf dem Foto wird von einem Polizisten auf den Boden gedrückt und kann sich nicht wehren. © Mário Macilau, Kehrer Verlag
Am Boden: Dieser Junge wird von einem Polizisten mit Gewehr eingeschüchtert. © Mário Macilau

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Über den Fotografen
Mário Macilau wurde 1984 in Maputo geboren und lebte früher selbst auf der Straße. Im Jahr 2003 begann er zu fotografieren und beschäftigt sich vor allem mit den Einflüssen von unterschiedlichen Lebensbedingungen und der Umwelt auf soziale Randgruppen Afrikas. Sein Bildband „Growing in Darkness“ wurde bereits vielfach ausgezeichnet und die Fotos international ausgestellt. Durch seine Fotografien möchte er den Straßenkindern eine Stimme geben.

Ein neunjähriger Junge, eingewickelt in einer Decke am kalten Morgen, nachdem er in einem verlassenen Gebäude übernachtet hat. © Mário Macilau, Kehrer Verlag
Ein neunjähriger Junge, eingewickelt in einer Decke am kalten Morgen, nachdem er in einem verlassenen Gebäude übernachtet hat. © Mário Macilau

Gleiche Wünsche

Macilau erläutert in seinem Buch, dass es ihn überrascht hat, dass die Jugendlichen trotz der gravierenden Lebensumstände Fantasien, Träume und den unbändigen Drang haben, zu spielen. Da sie kaum die Mittel dafür haben, konstruieren sie sich die nötigen Dinge einfach selbst.

Ein handgemachter Fußball aus Kleidung, Plastik und einer Schnur. © Mário Macilau, Kehrer Verlag
Kleidungsresten, Plastik und eine Schnur: Fertig ist dieser selbstgemachte Fußball. © Mário Macilau

Innerhalb der letzten Jahre lässt sich allerdings ein erhöhtes Engagement für die Kinder und Jugendlichen in Maputo feststellen: Private und öffentliche Institutionen richten zunehmend mehr Aufmerksamkeit auf die Straßenkinder, da es immer mehr von ihnen gibt.

Internationale Hilfsorganisationen laden die Kinder beispielsweise zum Essen ein. Die meisten Kids leben getrennt von ihren Familien oder wurden fortgeschickt, um Geld zu verdienen. Deshalb freuen sie sich über jede helfende Hand, die ihnen gereicht wird. Es zeigt: Sie sind nicht ganz allein, es gibt Menschen, die sich um sie kümmern.

Die vierzehnjährige Hélio Chichava duscht sich vor einem Abendessen, das von einer NGO angeboten wird. © Mário Macilau, Kehrer Verlag
Die vierzehnjährige Hélio Chichava duscht sich vor einem Abendessen, das von einer Hilfsorganisation angeboten wird. © Mário Macilau

Mein Fazit

johanna_petersIch finde den Bildband sehr interessant, da er sehr persönliche Einblicke in das Leben der Kinder gibt. Durch die häufigen Nahaufnahmen kommt man sehr nahe an die Personen heran. Im Alltag beschäftigt man sich selten mit dem sensiblen Thema, deshalb finde ich es wichtig, dass Mário Macilau auf die Lebenssituation der Kinder mit einer respektvollen und einfühlsamen Art und Weise aufmerksam macht.

Johanna Peters studiert Medien- und Kulturwissenschaften und interessiert sich schon lange für die Fotografie. Darüber hinaus schreibt sie Rezensionen für photobildband.de.

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