India: Mit der Kamera quer durch die Republik

India Cover
Manuel Rivera-Ortiz
„India. A Celebration of Life“
Kehrer Verlag
168 Seiten + 20 Seiten Booklet
Format: 24 x 28 cm
Sprache: Englisch
ISBN: 978-3-86828-609-0
49,90 Euro (D)

Indien – mit diesem Land verbindet bestimmt jeder das ein oder andere Klischee. Tradition trifft Bollywood. Farbenfrohe Saris, duftende Gewürze. Viele Menschen. Die Liste ließe sich noch viel weiter fortführen. Ein innerliches Abrufen des letzten Restaurantbesuchs beim Lieblings-Inder ruft sicher weitere Unmengen an Bilder und Gefühle ins Gedächtnis.

Natürlich sieht die Realität ganz anders aus. Das beweist der Fotograf Manuel Rivera-Ortiz: Er hat das echte Indien immer wieder besucht und seine Aufnahmen in dem Bildband „India. A Celebration of Life“ gesammelt.

India - photobildband.de
Auch das ganz normale Leben – wie hier in einem Bus in einer indischen Großstadt – hielt der Fotograf fest. © Manuel Rivera-Ortiz

Sich in die Menschen Indiens hineinversetzen

Innerhalb von zehn Jahren hat Manuel Rivera-Ortiz häufig Indien bereist. Vor die Linse kamen aber keine Touristenattraktionen oder Bollywood-Sets. Nein, Rivera-Ortiz interessiert sich für die Menschen, die überwiegend am Rand der Gesellschaft leben. Ein Leben, das den Dokumentarfotografen und Schriftsteller fasziniert: Er, geboren in Puerto Rico, wuchs selber in ärmlichen Verhältnissen auf. Verständlich, dass er sich deswegen besonders gut in Menschen hineinversetzen kann, die ein schwieriges Leben zu bewältigen haben.

Wer aber nun denkt, Rivera-Ortiz‘ Bildband „India. A Celebration of Life“ ist eine Sammlung der Trauer und des Leids, der irrt sich. Die Menschen auf den Bildern sind trotz ihrer schwierigen Lebenssituation weitestgehend gut gelaunt und gehen ihrem üblichen Tagesgeschäft nach. Während wir uns durch den hektischen Arbeitsalltag der deutschen Großstadt kämpfen und häufig unsere Probleme beklagen, scheinen die Menschen auf Rivera-Ortiz‘ Bilder also fast schon ausgeglichen. Ja, dieser Bildband macht ungewollt deutlich, auf welch hohem Niveau wir gelegentlich klagen.

Über den Fotografen:
Manuel Rivera-OrtizManuel Rivera-Ortiz stammt aus Puerto Rico, zog aber mit seinem Vater nach Massachusetts (USA) als er elf Jahre alt war. Er wurde Journalist, bevor er sich mit der Dokumentarfotografie beschäftigte. Spezialisiert hat er sich auf sozialkritische Themen. 2010 gründete er die Stiftung The Manuel Rivera-Ortiz Foundation for Documentary Photography & Film, mit der er insbesondere Fotografen aus weniger entwickelten Ländern fördert.

 

Den Kindern gewidmet

Die Personen, die Rivera-Ortiz hier abgelichtet hat, leben ihr Leben – auch dann, wenn sie nicht viel haben. Das Kapitel „Enterprise“ zeigt ausschließlich Kinder beim Spielen und Rumalbern. Sie haben es schon im jungen Alter nicht einfach, und dennoch sehen sie nicht anders als unsere Kinder. Davor hat auch der Fotograf Respekt – und widmet sein Buch daher den Kindern Indiens.

Auch wenn dieser Bildband gelegentlich Hoffnung macht, so stößt man immer wieder auf Fotos, die einen nachdenklich stimmen. Ja, „India. A Celebration of Life“ steckt voller Gegensätze – genauso wie das Land Indien selber. Und als Betrachter wird man dann schnell runtergerissen. Beispielsweise dann, wenn man auf einem Bild sieht, wie sich ein Kind im Ganges wäscht, während ein paar Meter entfernt die Leiche eines kleinen Mädchens vorbeitreibt. Als Betrachter ist man machtlos, man kann nicht eingreifen, nicht (mehr) helfen.

Keine Puppe, sondern eine Kinderleiche ist es, die hier im Ganges vorbeigleitet. © Manuel Rivera-Ortiz
Keine Puppe, sondern eine Kinderleiche ist es, die hier im Ganges vorbeigleitet. © Manuel Rivera-Ortiz

Schönheit und Horror geben sich in dem Bildband die Hand. Auf der einen Seite schockiert es, wenn man die riesigen Müllhalden betrachtet. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, haben die feinen Schwarz-Weiß-Punkte des Mülls fast schon etwas Ästhetisches. Es sind solche Bilder, die uns aufrütteln. Einfach mal durchblättern – das ist hier nicht drin. Ein eindrucksvolles Werk, das Manuel Rivera-Ortiz hier geschaffen hat.

Mein Fazit

Marius von der Forst Sepia rundIch gestehe: Es gibt Bildbände, die bei mehrmaligem Durchblättern schnell im Bücherregal enden. Und es gibt Bildbände, die man immer mal wieder anschauen mag. Dieser ist so einer. Vor allem die vielen Texte und Erklärungen – insbesondere in dem beigefügten Booklet – sorgen dafür, dass einem nie langweilig wird. Lediglich eine deutsche Übersetzung wäre schön gewesen.

Marius von der Forst liebt großartige Fotoaufnahmen – erst recht, wenn diese in Buchform verewigt wurden. Er ist freier Journalist und schreibt für Zeitschriften wie fotoPRO, digit! oder das Ringfoto-Magazin und natürlich für photobildband.de.

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