Afro-Iran - by photobildband.de

Afro-Iran: Fernab aller Schubladen

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Mahdi Ehsaei
„Afro-Iran“
Kehrer Verlag
96 Seiten
Format: 23 x 28 cm
Sprachen: Englisch, Persisch
ISBN: 978-3-86828-655-7
34,90 Euro (D)

Was wären wir ohne Klischees? Klischees sorgen für Ordnung in unseren Köpfen, für eine Regelmäßigkeit. Es wäre sehr anstrengend, wenn wir Tag für Tag die Welt neu einsortieren müssten. Aber es wäre auch erleuchtend! Denn wir vergessen viel zu schnell, dass die Welt weit komplexer ist, als dass wir sie in Schubladen stecken könnten. Ein gutes Beispiel für die Vielfältigkeit dieses Planeten zeigt der Bildband „Afro-Iran“ des deutsch-iranischen Fotografen Mahdi Ehsaei.

Eine afrikanische Minderheit im Iran

Nicht alle Franzosen essen Frösche, und nicht alle Niederländer machen mit dem Wohnwagen Urlaub. Ja, und eine ausgeprägte Multikultur ist nicht nur in Deutschland oder Schweden zu finden. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass gerade der Iran eine ethnische Vielfalt aufweisen kann. Ich – so gestehe ich – nicht!

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Ein afro-iranischer Verkäufer auf dem Fischmarkt von Bandar Abbas © Mahdi Ehsaei

Auch wenn man dagegen ankämpft: Immer wieder wird man in das Schubladendenken reingezogen. Und man vergisst, dass es ethnische Vielfalt an jedem Ort auf der Welt gibt. Auch wenn es manche Menschen scheinbar nicht wahrhaben wollen.

In der umfangreichen Debatte über Flüchtlinge in der EU geschieht es so schnell, dass man andere Teile der Welt fast schon übersieht. Dass in einer Region Irans eine Minderheit an Menschen mit afrikanischen Wurzeln lebt, das wissen wahrscheinlich die Wenigsten.

Mit der Kamera auf der Suche

Mahdi Ehsaei hat sich auf die Suche nach diesen Menschen begeben. Er begab er sich mit der Fotokamera in die südiranische Provinz Hormozgan am Persischen Golf. Hier ist die Heimat vieler Nachfahren von Sklaven und Händlern aus Afrika. Die Vorfahren einiger porträtierten Menschen lebten vor 100 Jahre zum Beispiel noch nicht in Freiheit.

Über den Fotografen
Afro-Iran - by photobildband.deMahdi Ehsaei wurde 1989 als Sohn iranischer Eltern in Münster geboren. In Darmstadt studierte er Kommunikationsdesign. Afro-Iran ist sein erstes Fotografie-Projekt, das in Buchform veröffentlicht wurde.

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Eine Zeremonie des islamisch-afrikansichen Zar-Kults im iranischen Tiab © Mahdi Ehsaei

Und nicht nur anhand der Hautfarbe ist diese Herkunft zu erkennen: Auch die Kultur ist in jener Region Irans noch sehr afrikanisch angehaucht. In den Porträtaufnahmen Ehsaeis sind die Frauen beispielsweise des Öfteren mit den typisch bunten Tüchern der afrikanischen Mode zu sehen. Oder die kurze, gekräuselte Frisur der porträtierten Jungen passt auch nicht gerade in die persisch-iranische Klischee-Schublade.

Und neben den typisch-afrikanischen Merkmalen sind auch Überschneidungen zu finden. Zum einen wirken die Orte der Aufnahmen sehr bunt; wenn man es nicht wüsste, könnte man gar nicht sagen, ob die Aufnahmen in Afrika oder Asien gemacht wurden. Aber auch viele Menschen auf den Bildern bieten eine unbeschreibliche Mischung aus beiden Kulturen.

Eine bunte Welt

Der junge Fotograf Mahdi Ehsaei ist es, der einem die Augen öffnet. Auch wenn er lediglich eine einzelne Menschengruppe in einem bestimmten Land vorstellt, so schafft seine Arbeit ein Bewusstsein, das verdeutlicht, wie bunt alles ist. Nicht nur im Iran. Nach der Lektüre dieses Bildbands würde es mich nicht wundern, wenn in Teilen Brasiliens seit Generationen eine russische Gemeinde lebte. Oder in Indonesien Menschen mit kenianischer Herkunft. So bunt ist die Welt wirklich.

Mein Fazit

Marius von der Forst Sepia rundMan spürt, dass Mahdi Ehsaei sehr viel Liebe in dieses Projekt gesteckt hat. Beispielsweise startete er eine Crowdfounding-Kampagne bei Kickstarter, um die Druckkosten des Bildbands zu senken. Ehsaei zeigt: Die Welt ist noch lange nicht vollständig abgelichtet und dokumentiert. Es gibt so viele Menschen und Orte, die vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Die afrikanische Minderheit in Iran ist dank Ehsaeis Fotos zumindest ein Stück weit in die Öffentlichkeit gerückt worden.

Marius von der Forst liebt großartige Fotoaufnahmen – erst recht, wenn diese in Buchform verewigt wurden. Er ist freier Journalist und schreibt für Zeitschriften wie fotoPRO, digit! oder das Ringfoto-Magazin und natürlich für photobildband.de.

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