The Family Album of Wild Africa – photobildband.de

The Family Album of Wild Africa: Tiere im Porträt

The Family Album of Wild Africa – photobildband.de
Laurent Baheux
„The Family Album of Wild Africa“
teNeues Verlag
480 Seiten
Format: 27 x 38 cm
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch
ISBN: 978-3-8327-3297-4
98 Euro (D)

Wenn der französische Fotograf Laurent Baheux auf die Pirsch geht, dann nimmt er kein Gewehr mit. Alles, was er braucht, ist seine Kamera, um den Tieren der afrikanischen Savanne ein Gesicht zu geben. Plumpe Dokumentation sind seine Aufnahmen nicht, sie sind weit mehr als das. Dank seines neuen Bildbands „The Family Album of Wild Africa“ haben wir die Möglichkeit, an der Beute von seiner Fotosafari teilzuhaben.

Tiere im perfekten Moment

Bei seinen Touren beobachtet Laurent Baheux zunächst die afrikanische Tierwelt. Wenn er sich mit ihrem Verhalten und den Fährten vertraut gemacht hat, harrt er am idealen Standort aus – auf der Suche nach dem perfekten Moment. Dann drückt er ab. Wenn einige Zeit verstrichen ist, schaut er sich seine Aufnahmen noch einmal an, um eine optimale Auswahl zu treffen. Die Ästhetik muss stimmen. Ebenso das Licht sowie die Komposition. Erst dann ist ein Foto fertig.

The Family Album of Wild Africa – photobildband.de
Majestätisch und atemberaubend! © Laurent Baheux, www.laurentbaheux.com

Die französische Kunsthistorikerin Fedora Parkmann, die für den Bildband „The Family Album of Wild Africa“ das Vorwort verfasst hat, vergleicht Baheux mit dem Erzähler aus Joseph Conrads „Herz der Finsternis“. Sie nennt Baheux  nach einem Zitat aus jener Erzählung  einen „Wanderer auf prähistorischer Erde, auf einer Erde, die wie ein unbekannter Planet aussah“.

Auch in „Herz der Finsternis“ findet der schwarze Kontinent eine Erwähnung: „Tatsächlich war es damals kein weißer Fleck mehr. Seit meiner Knabenzeit war er mit Strömen, Seen und Namen angefüllt worden. Er hatte aufgehört, ein Raum voll künstlicher Geheimnisse zu sein, ein weißer Fleck, von dem ein Knabe Ruhm erträumen konnte.“ Und heute, mehr als hundert Jahre später, ist noch weit weniger von den Geheimnissen des ursprünglichen Afrikas zu spüren. Das hält Laurent Baheux aber nicht auf, sich dennoch auf Spurensuche nach dem alten, wilden Afrika zu begeben.

Über den Fotografen:

Laurent Baheux - photobildband.de

Laurent Baheux wurde 1970 im französischen Poitiers geboren und arbeitete zunächst als Redakteur und Journalist, bevor er Fotograf wurde. Die Fotografie brachte er sich selber bei – und im Laufe der letzten Jahre gewann er mehrere Auszeichnungen für seine großartigen Naturaufnahmen. Seine Afrika-Bilder wurden mit mit dem Honorable-Mention-Preis bei den Fine Art Photo Awards ausgezeichnet.

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Tiere aller Art laufen Laurent Baheux vor die Linse. © Laurent Baheux, www.laurentbaheux.com

Von Afrika ergriffen

„In Afrika wurde Laurent Baheux von der Herrlichkeit und Authentizität des wilden Lebens ergriffen“, so Fedora Parkmann im Vorwort. Viele Fotografen – wie beispielsweise Sebastião Salgado, der Afrika ebenfalls gern bereist und fotografisch festhält – konzentrieren sich vor allem auf die Menschen des Kontinents. Nicht so Baheux. Bei ihm sind es die Tiere, die er fotografisch festhalten will.

Ebenso wie sein älterer Kollege Salgado setzt auch Laurent Baheux auf die Schwarz-Weiß-Fotografie. Ja, man kann in der Tat behaupten, dass sie definitiv als Erbe der alten Analog-Meister gesehen werden kann. Die Schwarz-Weiß-Fotografie eignet sich besonders gut, um Gegensätze darzustellen. Ebenso Formen und Kontraste. Da wären beispielsweise die Silhouetten von Nashornköpfen oder von Giraffenhälsen. Oder die schwarz-weißen Muster im Fell von Zebras oder Leoparden.

Porträts statt plumpe Dokumentation

Laurent Baheux ist in erster Linie Naturfotograf. Beispielsweise wurde er 2007 beim renommierten Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year“ ausgezeichnet. Doch er ist weit mehr als ein einfacher Chronist der Natur. Seine Bilder sind fast schon Porträts.

Fedora Parkmann schreibt daher treffend: „Laurent Baheux gelingt es so, das Natürliche und Einfache im Leben wilder Tiere fotografisch umzusetzen, diese ruhige Kraft, die ihn bei diesen Lebewesen so beeindruckt.“ Vor allem wirken seine Porträtierten fast immer menschlich. Insbesondere bei seinem stark rangezoomten Tieraufnahmen, bei denen man das Gefühl bekommt, nur wenige Zentimeter von dem Gesicht entfernt zu sein.

Menschliche Tierwelt

Ja, es sind würdevolle Porträts, die Baheux in seinem großartigen Bildband präsentiert. Als hätte ihn der König der Tiere höchstpersönlich beauftragt, damit der Fotograf ihn für die Empfangshalle seiner Villa porträtiert. Menschlich ja – aber dennoch fern von schmalzigen Elton-John-Balladen und vom Kitsch der Disney-Filmstudios.

Die Vorwortautorin bringt es auf den Punkt: „Keine Spur von Traurigkeit, von wilder Raserei in den Tierporträts, die er auf seinem Weg eingefangen hat; der Funke Menschlichkeit, den man in den Augen der Tiere entdeckt, spricht ganz im Gegenteil dafür, dass er ihnen eine Empfindsamkeit zugesteht, die ihnen lange Zeit abgesprochen wurde.“ Laurent Baheux bringt diese Empfindsamkeit wieder zurück.

Mein Fazit

Marius von der Forst Sepia rund„Die Aufnahmen von Laurent Baheux sind schon großartig – vor allem, wenn man sie auf den schön großen Doppelseiten des Bildbands genießt. Was ich aber vermisse, das sind ein paar Anekdoten zu dem einen oder anderen Bild. Trotzdem ist es ein sehr lohnenswerter Bildband.“

Marius von der Forst liebt großartige Fotoaufnahmen – erst recht, wenn diese in Buchform verewigt wurden. Er ist freier Journalist und schreibt für Zeitschriften wie fotoPRO, digit! oder das Ringfoto-Magazin und natürlich für photobildband.de.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Dokumentation ist niemals plump, sondern gibt dem Motiv freiraum um sich zu entfalten. Porträts hingegen sind ein eng gesteckter Rahmen der manchmal etwas künstliches hat. Für mich wäre dieser Band wohl eher nichts.

    1. Das stimmt: Dokumentation ist weitaus freier als Porträtfotografie. Letztere ist nicht selten gestellt. Und ja, es gibt gelegentlich auch Tieraufnahmen, die gestellt sind. Bei denen die Fotografen den Tieren Essen zuwerfen, um sie in spezieller Pose zu fotografieren. Laurent Baheux hingegen lässt die Tiere in ihrem freien Lebensraum – und ist dafür halt bei der Art der Aufnahme und bei der Postproduktion kreativ. Klar: Am Ende ist es dann natürlich eine Frage des Geschmacks, ob einem sein Stil gefällt oder nicht.

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