© Giovanni Perna

Die morbide Schönheit alter Friedhöfe: Mehr als nur Halloween und Gruselromantik

Giovanni Perna & Lena Rebekka Rehberger „Die morbide Schönheit alter Friedhöfe“ Mitteldeutscher Verlag 96 Seiten Format: 22 x 28 cm Sprache: Deutsch, Englisch ISBN: 978-3-95462-518-5 24,95 Euro (D)
Giovanni Perna & Lena Rebekka Rehberger
„Die morbide Schönheit alter Friedhöfe“
Mitteldeutscher Verlag
96 Seiten
Format: 22 x 28 cm
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN: 978-3-95462-518-5
24,95 Euro (D)

Du findest die Begeisterung, die manche Menschen für das Tote hegen, befremdlich? Dann wirst du bei einem Bildband namens „Die morbide Schönheit alter Friedhöfe“ sicherlich die Nase rümpfen. Doch sei versichert: Dieses Buch von Giovanni Perna ist nicht nur etwas für Freaks, die die Tage bis Halloween zählen und Vampir-Romane lesen. Du liebst Kunst, Architektur, Geschichte, Literatur? Dann solltest du zugreifen.

Die Ästhetik der Vergänglichkeit

Es wäre fast schon beleidigend, wenn man dem Fotografen Giovanni Perna vorwerfen würde, er stürze sich mit der Kamera auf alles, was mysteriös und gruselig wirkt. Nein, es sind nicht nur die Totenschädel und dunkel verhangenen, steinernen Grabwächter, die Perna anziehen. Das wäre zu trivial. „Es ist die Ästhetik der Vergänglichkeit, die Perna immer wieder in seinen Fotografien als Leitthema aufgreift“, erklärt die Historikerin Lena Rebekka Rehberger in dem Vorwort zu dem Bildband.

© Giovanni Perna
© Giovanni Perna
Über den Fotografen
Giovanni PernaGiovanni Perna stammt aus Sindelfingen und ist Grafiker sowie Fotograf. In der Nähe von Stuttgart arbeitet er als Creative Director in einer Werbeagentur. Zudem betreibt er die Kunstgalerie totenstill und veröffentlicht seine Fotos in Zeitschriften wie Orkus.

Das Vergängliche stellt Giovanni Perna hier besonders stark dar. Zum einen ist es die Wahl des Motivs. Ein Friedhof kann beispielsweise relativ grün sein. Auch ist ein Friedhof teilweise sehr lebendig, wenn Menschen ihre toten Verwandten besuchen wollen. Und mit der Zeit ist die Trauer auch gar nicht mehr in ihren Gesichtern zu erkennen. Doch Perna will die andere Seite des Friedhofs zeigen, will mit Kontrasten spielen, mit düsteren Wolken, mit tragischen Statuen und mit trostloser, deprimierender Einsamkeit.

Steinerne Engel und Todesboten

Es ist befremdlich, dass jemand solche Fotos schießt? Nun, ist es dann nicht erst recht befremdlich, dass jemand Statuen, wie im Bildband zu sehen, so errichten lässt? Dass Angehörige einst bewusst wollten, dass die steinernen Engel und Todesboten in trauernder oder verzweifelter Haltung dargestellt werden sollen? Nein, befremdlich ist das nicht. Es ist ein Weg, mit Trauer fertigzuwerden. Und diese Statuen haben zudem den Nebeneffekt, dass auch Menschen berührt davon berührt werden, die mit dem jeweiligen Toten nichts zu tun haben. Kunst, die berührt. Und diese Kunst bannt Perna auf den Kamerachip.

 

Das Herz erreichen

Es ist kein Zufall, dass die gezeigten Grabmäler größtenteils aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aus der Zeit der Romantik, stammen. Es war die Zeit, in der Eisenbahnen und Fabriken aus dem Boden sprießen. Und die Menschen sich bei dem technischen Fortschritt verloren fühlten. Da kam dann schnell der Wunsch auf, sich stärker mit dem zu befassen, was eine Dampfmaschine niemals erreichen konnte: das Herz.

Über Eisenbahnen und Dampfmaschinen können wir heute nur lächeln. Aber was die Digitalisierung angeht, da schweben wir in Gefahr, schnell den Boden zu verlieren. Die Medizin dagegen? Einfach mal abschalten – und Giovanni Pernas Bildband „Die morbide Schönheit alter Friedhöfe“ durchblättern.

Mein Fazit

Marius von der Forst Sepia rund„Es ist erstaunlich, wie Giovanni Perna es schafft, seinen Motiven eine gewisse Tiefe einzuhauchen. Sicherlich sind die Bildhauer der Statuen daran mitverantwortlich, doch Perna ist es, der dem toten Gestein Leben verleiht. Wenn man den Bildband nicht nur rasch durchblättert, sondern die Aufnahmen intensiv genießt, wirkt es fast so, als wenn man in einen Spiegel schaut.“

Marius von der Forst liebt großartige Fotoaufnahmen – erst recht, wenn diese in Buchform verewigt wurden. Er ist freier Journalist und schreibt für Zeitschriften wie fotoPRO, digit! oder das Ringfoto-Magazin und natürlich für photobildband.de.

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