A Mazo: Fotos von echten Amazonen

Frank Gaudlitz „A Mazo“ Hatje Cantz Verlag 136 Seiten Format: 25 x 28 cm Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch ISBN: 978-3-7757-4075-3
Frank Gaudlitz
„A Mazo“
Hatje Cantz Verlag
136 Seiten
Format: 25 x 28 cm
Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch
ISBN: 978-3-7757-4075-3
39,80 Euro (D)

Herausgeputzt haben sie sich. Vorbereitet für die Porträtfotos des Fotografen Frank Gaudlitz. Während einer Fotoreise auf den Spuren von Alexander von Humboldt lernte er die – wie er sie nennt – „Amazonen“ kennen. Ob in Kleidern, mit viel Schmuck oder mit reichlich Make-up: Alle fotografierten Frauen möchten ihre Weiblichkeit zur Schau stellen.

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Frank Gaudlitz setzt in seinem Bildband „A Mazo“ gekonnt Kontraste ein – farblich, wie auch inhaltlich. © Frank Gaudlitz, Hatje Cantz

Flucht aus der Macho-Gesellschaft

Allerdings: Es sind Männer, die hier fotografiert wurden! Die abgebildeten „Shemales“ leben in einer eigentlich von Machos geprägten Gesellschaft. Genau aus diesem Grund war Frank Gaudlitz von ihnen nach eigener Aussage begeistert. Der Mut, ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich zu leben, beeindruckten ihn.

Er entschied sich, jene Personen zu porträtieren, um sie aus dem Schatten zu holen. Einmal geoutet, hat es nämlich eine transsexuelle Person im Amazonasbecken äußerst schwer, gesellschaftlich Fuß zu fassen. Gaudlitz möchte da mit seinen Bildern helfen.

Tapfere Frauen

Amazonen: So wurden in der Geschichte nicht nur die mutigen Kriegerinnen vom Schwarzen Meer genannt. Auch die spanischen Eroberer Südamerikas betitelten so eine Gruppe von furchtlosen, indigenen Frauen – nahe dem Fluss, der später treffenderweise den Namen Amazonas erhielt. Frank Gaudlitz übernahm den Namen und nennt so seine Models: Tapfere, junge Damen, von der jede ihren eigenen Kampf zu kämpfen hat.

Frank Gaudlitz

Über den Fotografen
Frank Gaudlitz wurde 1958 in Vetschau (Spreewald) geboren. Heute lebt und arbeitet der Fotograf in Potsdam. Als er im Jahr 2010 für sein Projekt „Sonnenstraße“ in Südamerika fotografierte, kam er auf die Idee, die dort lebenden Transsexuellen zu fotografieren. Das Bildband-Projekt realisierte er erfolgreich durch eine Crowdfunding-Kampagne über visionbakery.com. Über 12.000 Euro kamen dabei zusammen.

Seine Porträts unterstrich Frank Gaudlitz mit Aufnahmen von selbst inszenierten Stillleben. © Frank Gaudlitz, Hatje Cantz
Seine Porträts unterstrich Frank Gaudlitz mit Aufnahmen von selbst inszenierten Stillleben. © Frank Gaudlitz, Hatje Cantz

Nah dran an den Mitmenschen

Seine Models fotografierte Frank Gaudlitz in Farbe. Das ist auch gut so, denn so wirken die Personen realer. Die Porträts sind nicht sonderlich kunstvoll inszeniert und wirken dadurch eben so, als würde man den Personen selbst gegenüberstehen.

Sie vor die Kamera zu bekommen, war für Gaudlitz nicht leicht. Denn transsexuelle Menschen halten sich im Amazonas-Gebiet bedeckt. Durch viele Kontakte und lange, einfühlsame Gespräche später, kamen aber dennoch über 100 Fotos zusammen.

Viele Transfrauen müssen sich prostituieren, um nach ihrem Outing über die Runden zu kommen. © Frank Gaudlitz, Hatje Cantz
Viele Transfrauen müssen sich prostituieren, um nach ihrem Outing über die Runden zu kommen. © Frank Gaudlitz, Hatje Cantz

Dadurch, dass Gaudlitz auf Schwarzweiß-Fotos verzichtet, haben seine analogen Aufnahmen Kontraste. Da stehen herausgeputzte Frauen vor einer abgewrackten Hütte oder posieren mit reichlich Make-up vor einem dunklen Hintergrund.

Doch nicht nur farblich hält der Fotograf zwei Parallelen voreinander: Mit selbst inszenierten Stillleben-Aufnahmen stellt der Fotograf metaphorisch die Vergänglichkeit dar. Dafür kombiniert er tote Tiere und frische Früchte miteinander.

Eingestreut zeigen die Bilder gekonnt das Zusammenspiel von Leben, Tod und Verletzlichkeit – die auf den Fotos teils hinter dick aufgetragener Schminke schlummert.

Mein Fazit

Markus Fasse - photobildband.deRespekt! Zwei Jahre lang bleib Frank Gaudlitz am Ball, lebte mit und unter den Menschen am Rande der Gesellschaft zusammen. Erste Kontakte herzustellen war sehr schwer, Empfehlungen und lange Recherche waren nötig. Das Ergebnis ist klasse. Sein Bildband zeigt ohne Firlefanz technisch hochwertige Fotos. Darauf zu sehen: Menschen, die ein eigenes Leben führen möchten. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Markus Fasse, leidenschaftlicher Bildband-Sammler und Autor bei photobildband.de. Als freier Journalist schreibt er außerdem für Magazine wie u.a. fotoPRO

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