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Colony: Die vergessenen Areale von Französisch-Guayana

Christophe Gin „Colony“ Kehrer Verlag 120 Seiten Format: 31 x 28 cm Sprachen: Englisch, Französisch ISBN: 978-3-86828-674-8 49,90 Euro (D)
Christophe Gin
„Colony“
Kehrer Verlag
120 Seiten
Format: 31 x 28 cm
Sprachen: Englisch, Französisch
ISBN: 978-3-86828-674-8
49,90 Euro (D)

Authentische Reportage aus dem Norden Südamerikas: „Colony“ vom Fotografen Christophe Gin berichtet und informiert. Seine schwarzweißen Bilder zeigen die Welt, wie sie ist – in Französisch-Guayana, einer Übersee-Region in Südamerika, wo die Regierung versucht, französisches Recht durchzusetzen.

Allerdings: Nur wenige halten sich an die aus der Ferne diktierten Auflagen, die so gar nicht zu der Region passen wollen. Christophe Gin zeigt ein Land, in der auf der einen Seite der „Weltraum-Bahnhof“ in Kourou steht und in der auf der anderen Seite ausgebeutete Migranten in Goldminen schuften müssen.

Genau dieses Guayana hat Christophe Gin fotografisch festgehalten. Nach seiner Fotoreise bezeichnete er diese Gegend als einen tropischen Wilden Westen.

Die Stadt Saint-Georges erstreckt sich über eine Fläche von 2230 km² und wurde 1853 errichtet, um hier die brasilianische Bevölkerung unter Kontrolle zu halten © No. 6: Saint-Georges de l'Oyapock, Januar 2015, Christophe Gin
Die Stadt Saint-Georges erstreckt sich über eine Fläche von 2.230 km² und wurde 1853 errichtet, um hier den brasilianischen Teil der Bevölkerung unter Kontrolle zu halten © No. 6: Saint-Georges de l’Oyapock, Januar 2015, Christophe Gin

Einstige Strafkolonie

Einfach Gut gegen Böse darstellen, das war Gin aber zu einfach. Daher verbrachte er fünf Monate am Stück in Französisch-Guayana, um das Land besser kennenzulernen und – wie er im Vorwort sagt – Kontexte in seine Bilder einzubringen. Geschichten erzählen ist das, was er als Fotojournalist machen möchte. Das gelingt ihm: Er dokumentiert die Menschen in Französisch-Guayana, lässt aber auch Raum für Interpretationen und eigene Schlussfolgerungen.

Über den Fotografen
Foto: ICI-LondresChristophe Gin (geb. 1965 in Nevers in Zentralfrankreich) brachte sich das Fotografieren selber bei und erzielte erste Erfolge Anfang der 1990er Jahre. Seither werden seine Werke immer wieder in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und teils mit Preisen ausgezeichnet.
Arbeit ist rar in Französisch-Guyana. Unterstützung bekommen die Ärmsten der Armen über das Postamt ausbezahlt © Benefits payment day at Camopi Post Office. Camopi, Februar 2015, Christophe Gin
Arbeit ist rar in Französisch-Guayana. Unterstützung bekommen die Ärmsten der Armen über das örtliche Postamt ausbezahlt © Benefits payment day at Camopi Post Office. Camopi, Februar 2015, Christophe Gin

Darüber hinaus wirken diese Stories überaus spannend. Manche der Schwarzweiß-Aufnahmen bearbeitete der Fotograf stark. So wirkt beispielsweise die Brücke im Nebel noch geheimnisvoller. Andere Fotos wirken hingegen so, als seien sie vor sehr vielen Jahrzehnten aufgenommen worden.

Geheimnisvoll sieht die Brücke über dem Oyapock aus. Der Fluss ist eine natürliche Grenze zwischen Brasilien und Französisch-Guyana. © Saint-Georges de l'Oyapock, April 2015, Christophe Gin
Geheimnisvoll sieht die Brücke über dem Oyapock aus. Der Fluss ist eine natürliche Grenze zwischen Brasilien und Französisch-Guayana. © Saint-Georges de l’Oyapock, April 2015, Christophe Gin

Ausgezeichnete Arbeit

Christophe Gin wurde als 6. Preisträger des Carmignac Photojournalism Award ausgewählt. Dieser Preis würdigt die Arbeit investigativer Fotojournalisten, die Regionen dokumentieren, die häufig in der Berichterstattung verbreiteter Medien unterrepräsentiert sind.

Illegale Tankstelle am surimanesischen Ufer des Maroni © Juni 2015, Christophe Gin
Illegale Tankstelle am Ufer des Maroni auf der Seite von Suriname © Juni 2015, Christophe Gin

Die diesjährige Ausgabe des Preises fokussierte sich auf Gebiete Frankreichs, die als „gesetzlose Zonen“ (zones de non-droit) bezeichnet werden können: Orte, an denen politische, rechtliche und sozioökonomische Strukturen weit von denen abweichen, die in Frankreich hochgehalten werden, und wo dessen Rechtssystem keinen Einfluss mehr hat. Seine Aufnahmen von Französisch-Guayana zeigen diesen Aspekt auf kreative und eindrucksvolle Weise.

Mein Fazit

Markus Fasse - photobildband.deDie Lebenswirklichkeit in einem Land voller Kontraste zeigen, ohne dabei auf Klischees der Massenmedien zurückzugreifen: Dies war der Anspruch von Christophe Gin, als er seine Aufnahmen für „Colony“ einfing. Wie der Bildband zeigt, ist ihm das auch vortrefflich gelungen. Die Fotos sind markant, erzählen unterschiedliche Geschichten und fangen das Motto der „gesetzlosen Zonen“ des Carmignac-Preises für Fotojournalisten ideal ein. Für mich ganz klar einer der spannendsten Bildbände, die wir bisher auf photobildband.de vorgestellt haben.

Markus Fasse, leidenschaftlicher Bildband-Sammler und Autor bei photobildband.de. Als freier Journalist schreibt er außerdem für Magazine wie u.a. fotoPRO

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