The Sense of Movement - by photobildband.de

The Sense of Movement: Fotografen in Bewegung

The Sense of Movement - by photobildband.de
András Szántó (Hrsg.)
The Sense of Movement: When Artists Travel
Hatje Cantz Verlag
200 Seiten
Format: 18 x 24 cm
Sprache: Englisch
ISBN: 978-3-7757-4065-4
29,80 Euro (D)

Einfach mal durchblättern – das ist hier nicht drin! Denn der Bildband „The Sense of Movement: When Artists Travel“ steckt voller Erlebnisse und Schicksale. Einige der Bilder wirken bei achtloser Betrachtung nämlich fast schon bedeutungslos, wenn man die Geschichte dahinter nicht kennt. Aus diesem Grund werden die rund 70 Projekte, Künstler und Einzelwerke, die in dem Buch vorgestellt werden, umfangreich beschrieben. Erst dann, wenn die Augen zwischen Text und Bildern hin und her wandern, wird einem die Bedeutung klar. 

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„The Meditation Boat“ von Ann Hamilton: Auch das Entschleunigen ist Thema des Bildbands. © Ann Hamilton / Hatje Cantz Verlag

Die BMW Art Journey: Künstler auf Reisen

Was hat es mit diesem Bildband auf sich? Hinter dem Buch steht die globale Kunstinitiative BMW Art Journey, die von BMW und der Messe Art Basel erschaffen wurde. Ziel des Projekts ist es, hervorragende Talente zu entdecken und diese auf eine Kunstreise zu schicken. Als Einstieg in dieses Projekt stellt der Bildband „The Sense of Movement: When Artists Travel“ bedeutende Künstlerreisen der Geschichte vor.

Über die BMW Art Journey
The Sense of Movement - by photobildband.deDer Autohersteller BMW und die Kunstmesse Art Basel haben Anfang 2015 den Preis BMW Art Journey ausgerufen. In Hong Kong und Miami, den beiden „Zweigstellen“ der Art Basel werden junge Talente von einer Jury auserkoren, sich auf eine Kunstreise zu begeben. Die Initiatoren wollen Künstlern die Chance geben, besondere Projekte zu verwirklichen, ohne dabei auf Zeit und Geld achten zu müssen. Einzige Voraussetzung: Sie müssen sich dabei auf eine Reise begeben. Zwei Wochen und 100 Kilometer sind dabei die Mindestanforderungen. Erster Gewinner des Projekts ist übrigens der Chinese Samson Young, der bei seiner Reise historisch bedeutende Glocken dokumentieren möchte.

Vorgestellt werden in dem Band Künstler und ihre Gesamtwerke, aber auch einzelne Bilder, Filme, Ausstellungen, Projekte oder Installationen. Ja, es sind nicht immer nur Fotografien, die „The Sense of Movement“ vorstellt – aber sie machen den Großteil des Bildbands aus.

Vielfältige Künstlerreisen

Gegliedert sind die Projekte in sechs Kapitel. Während einige Künstler sich bewusst mit der Entdeckung der Welt beschäftigt haben (im Kapitel „Exploration“), haben sich andere auf eine beschwerliche Reise, etwa einer Wallfahrt oder einem selbst auferlegten Leidenweg begeben (in den Kapiteln „Pilgrimage“ bzw. „Ordeal“). Und auch Fotografen, die daran gehindert werden, auf Reisen zu gehen („Stasis), oder aber bewusst einen Gang runterschalten („Deceleration“), stellt der Bildband vor.

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„Death Valley Run“ von Chris Burdon: Mit einem E-Bike durchquerte Chris Burden die kalifornische Death-Valley-Wüste. © Chris Burden / Hatje Cantz Verlag

Im Kapitel „Ordeal“ (zu Deutsch Leidensweg) werden beispielsweise die 1976 von Chris Burden unternommenen Touren mit einem motorisierten Fahrrad durch das kalifornische Death Valley vorgestellt. Oder die freiwillige Entscheidung des aus Taiwan stammenden Tehching Hsieh, sich ein Jahr lang unter freiem Himmel zu bewegen und dabei weder Gebäude noch Verkehrsmittel zu betreten.

Zu Fuß durch Tibet

Ebenso erstaunlich ist das Projekt „Railway from Lhasa to Kathmandu“ des chinesischen Künstlers Qui Zhijie. Inspiriert wurde er von dem Schicksal des Inders Nain Singh, einem Schüler der British Intelligence School. 1863 erhielt dieser die Aufgabe, Tibet für eine britische Studie auszumessen. Dies tat Nain Singh, indem er das Land durchwanderte und seine 33-Inch-Schritte (ca. 84 Zentimeter) zählte. Aus Respekt vor dieser Tat, begab sich 2007 auch der Künstler Qui Zhijie auf diesen Fußmarsch – jedoch in entgegengesetzter Richtung.

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„Railway from Lhasa to Kathmandu“ von Qui Zhijie: Der Künstler lief zu Fuß durch Tibet. © Qui Zhijie / Hatje Cantz Verlag

Dieser Bildband zeigt, wie verrückt Kunst oft ist. Aber auch verblüffend. Und so wundert es nicht, dass beim Betrachten von „The Sense of Movement: When Artists Travel“ sehr schnell mehrere Stunden verstreichen. Beschleunigen und entschleunigen: Der Bildband ist für alle empfehlenswert, die aus dem normalen Trott mal herauskommen wollen. Entweder begibst du dich selber auf eine kreative Reise und unternimmst mal etwas Verrücktes – oder du lehnst dich zurück, schaltest ab und genießt die Reisen Anderer. So oder so hilft „The Sense of Movement“, den Alltag zu durchbrechen.

Mein Fazit

Marius von der Forst Sepia rundZunächst war ich skeptisch: Für einen Bildband hat „The Sense of Movement“ ein wenig zu viel Text und zu wenige Fotos. Aber dann war ich von den Geschichten und Anekdoten gefangen. Ein paar mehr Bilder wären dennoch wünschenswert. Und – aber da klage ich auf recht hohem Niveau – eine deutschsprachige Fassung der Texte.

Marius von der Forst liebt großartige Fotoaufnahmen – erst recht, wenn diese in Buchform verewigt wurden. Er ist freier Journalist und schreibt für Zeitschriften wie fotoPRO, digit! oder das Ringfoto-Magazin und natürlich für photobildband.de.

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