Ordos' business district with its twin 200 meters high towers, shows no sign of activity, 10 years after the project started.

Ordos: Das Porträt einer Geisterstadt

Adrien Golinelli „Ordos – Stillborn City“ Kehrer Verlag 216 Seiten Format: 24,5 x 30 cm Sprachen: Englisch ISBN: 978-3-86828-638-0 Preis: 45 Euro (D)
Adrien Golinelli
„Ordos – Stillborn City“
Kehrer Verlag
216 Seiten
Format: 24,5 x 30 cm
Sprachen: Englisch
ISBN: 978-3-86828-638-0
Preis: 45 Euro (D)

Verlassen, einsam und trotzdem unbezahlbar: Das Stadtprojekt Ordos in der Steppe der Inneren Mongolei. Fotograf Adrien Golinelli hält das nicht vorhandene Leben in der so modernen Stadt fest und präsentiert in seinem Bildband „Ordos – Stillborn City“ beeindruckend leere Aufnahmen.

Adrien Golinelli - Ordos
Der einzige Beruf, den es in der Geisterstadt gibt: Bauarbeiter, um die Stadt noch größer zu machen. © Adrien Golinelli, Kehrer Verlag

Eine Millionen Menschen sollten in der neu gebauten Stadt Platz finden. Wie viele Einwohner gibt es tatsächlich? 100.000 – nicht gerade viel. Es ist unglaublich, aber für jeden dreiköpfigen Haushalt in Ordos stehen theoretisch acht Apartments zur Verfügung.

Luxus pur – aber für wen?

Für diese Leere gibt es Gründe. Die Stadt steht in einer Region, in der es fast kein Wasser, geschweige denn Bäume gibt. Arbeit? Fehlanzeige – außer natürlich, immer mehr Gebäude zu bauen. Doch die Preise in der Geisterstadt sind so hoch, dass es kaum möglich ist, sich die Miete dort leisten zu können.

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Mit Lolli im Mund und Sonnenbrille auf der Nase: Der kleine Mann lässt es sich gut gehen. Er hat ganz schön viel Platz zum Spielen, ganz für ihn allein. © Adrien Golinelli, Kehrer Verlag

Eine riesige Straße, mindestens vierspurig in jeder Fahrtrichtung: sie sieht aus wie ein Highway in Amerika. Aber eine Sache ist anders. Anstatt, dass hier die Blechlawine rollt, lassen sich die Fahrzeuge an einer Hand abzählen.

Einsame Millionenstadt

Aber wenn schon ein Auto, dann auch richtig: Da ist dann auch mal der Türgriff mit Strasssteinchen besetzt. Daran sieht man, für welchen Teil der Gesellschaft die Stadt eigentlich vorgesehen ist. Dummerweise ist die Blase geplatzt – niemand will hier wohnen. Die chinesische Regierung hält aber an dem Plan fest und so wartet die leere Metropole noch immer auf ihre Einwohner.

Adrien Golinelli - Ordos
Wer nicht weiß, was er mit seinem Geld anfangen soll, der kann einfach sein Auto mit Strass-Steinchen besetzen lassen © Adrien Golinelli, Kehrer Verlag

Adrien Golinelli

Über den Fotografen
Der Schweizer Adrien Golinelli wurde 1987 geboren und studierte an der Genfer Universität. Da er sich schon früh für Geopolitik interessierte, bereiste er bereits über 40 Länder, die in Verbindung mit Konfliktregionen stehen.

Die erschreckende Leere sieht man auf einigen Fotos ganz genau. Die Aufnahmen von riesigen Hochhäusern zeigen, wie jedes einzelne Apartment in unzähligen Stockwerken leer steht. Und trotzdem werden immer mehr Wohn- und Bürogebäude gebaut.

Adrien Golinelli - Ordos
Unzählige leerstehende Wohnungen und die Baustelle im Vordergrund verheißt wieder – der Wohnungsbau geht weiter. © Adrien Golinelli, Kehrer Verlag

insa_menzelMein Fazit

Ehrlich gesagt, entstand bei mir ein Wirrwarr aus Gedanken, als ich mir diesen Bildband angeschaut habe. Adrien Golinelli sagt es selbst, und besser kann man es nicht ausdrücken: „Die Stadt Ordos existiert erst seit zehn Jahren, aber sie ist schon tot.“ Es passt nicht zusammen, eine beeindruckende Skyline aus Wolkenkratzern zu sehen – aber niemanden, der sie bewohnt.

Insa Menzel studiert Kommunikations- und Medienwissenschaften und hat eine Vorliebe für Fotografien mit individuellen Geschichten. Nebenbei ist sie freie Mitarbeiterin bei der Rheinischen Post und schreibt für photobildband.de.

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